Terminsgebühr kann auch ohne förmliche Ladung und Aufruf entstehen

Ihr Kollege durfte sich in diesem aktuellen Kostenrechtsfall nachträglich über eine Terminsgebühr in Höhe von 863,46 Euro freuen, die ihm die Vorinstanz noch abgesprochen hatte. Die Gegenseite hatte angeführt, dass ohne förmliche Ladung und ausdrücklichen Aufruf keine Terminsgebühr entstehe. Das OVG NRW stellt aber nun klar, dass Ladung und Aufruf auch konkludent möglich sind.

Festsetzung einer Terminsgebühr für das Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes

Im vorliegenden Fall geht es darum, ob die Voraussetzungen von Nr. 3104 der Anl. 1 § 2 Abs. 2 RVG (Vergütungsverzeichnis – VV -) i. V. m. der Vorbemerkung 3 Abs. 3 VV erfüllt waren.

Gemäß der Vorbemerkung 3 Abs. 3 VV entsteht eine Terminsgebühr sowohl für die Wahrnehmung von gerichtlichen Terminen als auch für die Wahrnehmung von außergerichtlichen Terminen und Besprechungen, wenn nichts anderes bestimmt ist.

 

Sie entsteht jedoch nicht für die Wahrnehmung eines gerichtlichen Termins nur zur Verkündung einer Entscheidung.

Die Gebühr für außergerichtliche Termine und Besprechungen entsteht

  • erstens für die Wahrnehmung eines von einem gerichtlich bestellten Sachverständigen anberaumten Termins und
  • zweitens die Mitwirkung an Besprechungen, die auf die Vermeidung oder Erledigung des Verfahrens gerichtet sind. Dies gilt nicht für Besprechungen mit dem Auftraggeber.

Konkret ist im vorliegenden Fall eine Terminsgebühr im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes – 11 L 1105/14 – mit Blick auf die Vertretung in einem gerichtlichen (Erörterungs-)Termin (Satz 1, 1. Alternative der Vorbemerkung 3 Abs. 3) entstanden.

Der Prozessbevollmächtigte der Antragsteller hat nach seinem Vorbringen am 13. Juni 2014 an einer gerichtlichen Erörterung teilgenommen, deren Gegenstand (auch) der Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz im Verfahren – 11 L 1105/14 – war.

Das OVG NRW hat keine Zweifel an der Richtigkeit dieses Vorbringens.

Die Erörterung fand danach im Rahmen einer öffentlichen Sitzung statt, die für das Hauptsacheverfahren gleichen Rubrums – 11 K 6229/13 – (den Antrag auf Einschreiten betreffend) und zwei weitere parallele Verfahren geladen war und in der die Beteiligten des Verfahrens – 11 L 1105/14 – anwesend waren.

Dass im Rahmen dieses Termins zur Hauptsache auch das Verfahren der Antragsteller auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes erörtert wurde, wird durch das vorliegende Protokoll vom 13. Juni 2014 bestätigt.

Danach wurde dem Vertreter der Beigeladenenseite ein Beiladungsbeschluss und eine Antragsschrift zum Aktenzeichen – 11 L 1105/14 – ausgehändigt und die Sach- und Rechtslage wurde eingehend erörtert, was schließlich zu protokollierten Hauptsacheerledigungserklärungen der Beteiligten führte.

Bestätigt wird dies auch durch den Vortrag der Antragsgegnerin, die angibt, die Sache sei „mitverhandelt“ worden.

Entgegen der Auffassung der Antragsgegnerin kommt es nicht darauf an, ob zu diesem Termin auch eine förmliche Ladung im Rahmen des Verfahrens des vorläufigen Rechtsschutzes erfolgt war bzw. ob hierzu ein ausdrücklicher Aufruf der Sache stattgefunden hat.

Diese auch im angegriffenen Beschluss über die Kostenfestsetzung unter Bezug auf die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts vom 15. August 2011 – 2 E 772/11 – angeführten Voraussetzungen ergeben sich aus dem zitierten Beschluss nicht.

Eine förmliche Ladung und ein ausdrücklicher Aufruf ist für die Entstehung einer Terminsgebühr nicht zwingend erforderlich,

  • wenn die Beteiligten anwesend sind,
  • der Sache nach mit dem Termin begonnen worden ist und
  • damit in der Sachbehandlung ein konkludenter Aufruf im Sitzungsraum anzunehmen ist.

(Vgl. Müller-Rabe, in Gerold u. a. Rechtsanwaltsvergütungsgesetz , 21. Auflage 2013, Rn. 84 f. zu Vorbemerkung 3 VV sowie BGH, Beschluss vom 12. Oktober 2010 – VIII ZB 16/10 -)

Soweit unter Geltung einer früheren Fassung der Vorbemerkung 3 die Auffassung vertreten wurde, eine Terminsgebühr könne nur in einem Verfahren entstehen, für das eine mündliche Verhandlung vorgeschrieben sei, steht dies der Entstehung der Terminsgebühr jedenfalls nach Maßgabe der nunmehr geltenden Fassung nicht entgegen.

(Vgl. OVG NRW, Beschluss vom 17. Juli 2014 – 8 E 376/14 -, mit umfangreichen weiteren Nachweisen.)

Auf dieser Grundlage ergibt sich die Berechnung der zu erstattenden Kosten unter Einschluss der Terminsgebühr nach Maßgabe des Festsetzungsantrags des Prozessbevollmächtigten der Antragsteller vom 16. Juni 2014, in Bezug auf dessen Richtigkeit im Übrigen Zweifel weder aufgezeigt noch sonst ersichtlich sind.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO .

Einer Streitwertfestsetzung bedarf es nicht, da lediglich eine Festgebühr nach Nr. 5502 der Anl. 1 zu § 3 Abs. 2 GKG ( Kostenverzeichnis ) anfällt.

Der Beschluss ist unanfechtbar. Vorinstanz: VG Köln, vom 30.10.2014 – Vorinstanzaktenzeichen 11 L 1105/14

OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 06.05.2015 – Aktenzeichen 7 E 1271/14 (DRsp Nr. 2015/8936)

Ähnliche Beiträge

Ein Kommentar zu “Terminsgebühr kann auch ohne förmliche Ladung und Aufruf entstehen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.