Längere Kündigungsfrist = höherer Streitwert?

Bei einem Arbeitsrechtsfall vor dem LAG Köln kam es zur Streitwertbeschwerde: Nach Meinung der Kläger-Anwälte war der Streitwert gestiegen, weil in einem Vergleich die Kündigungsfrist und die Lohnfortzahlung verlängert wurden.

Kein Vergleichsmehrwert bei Verlängerung der Kündigungsfrist

Das LAG Köln ist zu folgendem Urteil gekommen:

Die vergleichsweise Beilegung des Kündigungsprozesses durch Verlängerung der Kündigungsfrist unter Freistellung des Arbeitnehmers hat in der Regel keinen Mehrwert.

(LAG Köln, Beschluss vom 6.1.2014 – 11 Ta 344/13; DRsp Nr. 2014/2059)

Damit hat das LAG Köln die Streitwertbeschwerde der Prozessbevollmächtigten des Klägers gegen den Streitwertbeschluss des Arbeitsgerichts Köln vom 05.11.2013 –  9 Ca 4847/13 zurückgewiesen.

 

Vierteljahreswert als Streitwert ausreichend

Das LAG Köln hält die nach § 33 Abs. 3 RVG zulässige Beschwerde für unbegründet. Dabei gibt das Gericht folgende Gründe an:

1. Sozialer Zweck des § 42 Abs. 3 Satz 1 GKG

Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer hat der im Kündigungsschutzverfahren geschlossene Vergleich vom 23.7.2013 keinen Mehrwert in Höhe von 24.608,– €, weil die Parteien die Verlängerung der Kündigungsfrist um acht Monate und eine entsprechende Fortzahlung der monatlichen Vergütung von 3.076,– € brutto vereinbart haben.

Zu berücksichtigen ist der soziale Zweck des § 42 Abs. 3 Satz 1 GKG, nach dem Bestandsschutzstreitigkeiten für den Arbeitnehmer kostenmäßig besonders günstig zu gestalten sind.

Aus diesem Gesichtspunkt heraus bleibt es bei dem Vierteljahreswert als Streitwert für den Vergleich, gleichgültig

  • ob eine Beendigung zu den vom Arbeitgeber mit der Kündigung beabsichtigten Termin vereinbart wird,
  • ob zur Erledigung des Kündigungsrechtsstreits eine unbefristete Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses geregelt wird oder
  • ob die Beendigung zu einem späteren als dem vom Arbeitgeber intendierten Termin vereinbart wird oder gar zu einem früheren Termin – gegebenenfalls mit einer entsprechenden Erhöhung der Abfindung (LAG Köln, Beschl. v. 28.02.2011 – 10 Ta 22/11 – m.w.N.).

Dass der Kläger als Gegenleistung für die Verlängerung der Kündigungsfrist auf Sonderzahlungen verzichtete, ist unbeachtlich.

Für die Frage der Bemessung des Gebührenstreitwerts ist es irrelevant, welche Leistungen sich die Parteien im Wege des gegenseitigen Nachgebens im Rahmen eines Vergleiches versprechen.

Entscheidend ist, welche Streitgegenstände durch den Vergleich bereinigt werden (LAG Köln, Beschl. v. 07.05.2013 –  7 Ta 36/13 – m.w.N.).

2. Freistellungsregelung bringt keinen Mehrwert

Auch für die Freistellungsregelung bis zum Kündigungstermin 31.3.2014 fällt kein Mehrwert des Vergleichs an. Denn zwischen den Parteien bestand kein Streit über die Freistellung, der durch den Vergleich ausgeräumt wurde.

Eine zur vergleichsweisen Beilegung des Kündigungsschutzprozesses vereinbarte Freistellung des Arbeitnehmers von der Arbeitspflicht während der Kündigungsfrist führt zu keiner Erhöhung des Gegenstandswertes für den Vergleich, sofern die Parteien nicht unabhängig von dem Streit um die Gesamtbeendigung des Arbeitsverhältnisses vor Abschluss des Vergleichs gerichtlich oder außergerichtlich über die Freistellung des Arbeitnehmers gestritten haben.

Regelungen, die nur der vergleichsweisen Erledigung des Kündigungsrechtsstreits dienen und nicht unabhängig von diesem bestehende andere Streitpunkte erledigen, führen nicht zu einem Mehrwert des Vergleichs unter einer Überschreitung des gesetzlichen Höchstwertes (LAG Köln, Beschl. v. 28.02.2011 – 10 Ta 22/11 – m.w.N.).

Darüber hinaus überschneidet sich die Freistellungsregelung zudem mit dem rechtshängigen Weiterbeschäftigungsantrag, der als Kehrseite der Arbeitspflicht die Freistellung umfasst.

In die Regelung über die Freistellung liegt zugleich eine Regelung darüber, ob und in welchem Umfang während der restlichen Dauer des Arbeitsverhältnisses noch eine Weiterbeschäftigung stattfinden soll.

Dies ist aber regelmäßig bereits mit dem Streitwert des Weiterbeschäftigungsantrages berücksichtigt (LAG Köln, Beschl. v. 24.06.2010 – 5 Ta 175/10 – m.w.N.).

Gegen diese Entscheidung ist ein Rechtsmittel nicht gegeben.

LAG Köln, Beschluss vom 6.1.2014 – 11 Ta 344/13; DRsp Nr. 2014/2059

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